Fundament


Mein Leben ist auf einem Scherbenhaufen gebaut.
Mit viel Mühe und Kraft habe ich mir ein Leben aufgebaut.
Wenn man es so betrachtet ist es völlig OK. Es ist stabil. Ich habe Freunde,
Hobbies, eine Aufgabe.
Es ist kein schlechtes Leben. Manchmal ist es sogar schön. Es fehlt eigentlich
nichts. Und doch fehlt fast alles. Es fehlt ein Fundament!
Immer wieder zerbricht eine Scherbe in dem Haufen. Ein kleiner Bruch.
Nur Millimeter verrückt.
Alles wackelt, alles schwankt.
Die Scherben haben sich summiert in all den Jahren. Immer größer wurde
der Haufen. Immer instabiler wurde das Fundament.
Mehr Scherben. Mehr Gefahr. Mehr Brüche.
Bewegungen. Mehr Einbrüche. Wenn man das Heute betrachtet ist das Leben
OK. Was heute passiert das kann ich halten. Das kann ich tragen.
Ich vergesse manchmal gerne selber worauf es gebaut ist. Immer wieder
ignoriere ich die Scherben.
An manchen hängt Blut. In vielen steckt Schmerz. Ich will sie vergessen.
Versuche im Heute zu leben. Etwas zu bauen. Sowas wie ein lebenswertes
Leben.
Eine der untersten Scherben bricht. Sie ist alt und wurde einfach marode.
Bewegung entsteht. Alles wird ein wenig verrückt.
Ich fühle das Beben. Verliere im Heute das Gleichgewicht.
Ich falle und falle. Ich falle in die Scherben. Sie schneiden meine Haut auf.
Ich blute. Sie erinnern mich an den Schmerz und die Einsamkeit. Meine
Hoffnung zerbricht wie eine der Scherben.
Ich muss wieder aufstehen. Auf den Haufen klettern. Ganz nach oben in
mein heutiges Leben.
Zuversicht haben. Vertrauen lernen. Dass das Leben hält.
Hoffen, dass Gott da ist. Dass er mein Leben zusammenhält. Dass er mich
auffängt, wenn ich falle.
Dass seine Pläne gut für mich sind.
Das Fundament von Gott ist stabil. Es ist groß und kann Erschütterungen
standhalten.
Es ist nur leider unter dem Haufen der Scherben meines Lebens…
Ich muss vergessen worauf mein heutiges Leben gebaut ist. Ich muss die
Angst, dass wieder eine Scherbe zerbricht ignorieren.
Ich darf nicht daran denken wie wackelig alles ist. Dass jeden Moment
alles zerfallen könnte. Dass ich jeden Augenblick in den Scherbenhaufen
fallen könnte.
Ich muss versuchen „einfach“ weiter zu leben!

5 Kommentare zu „Fundament

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    1. Das ist eine sehr interessante Frage und ich habe auch schon desöfteren darüber nachgedacht… allerdings kann ich das nicht so einfach beantworten, da die Scherben meine Vergangenheit und Erfahrungen und den daraus resultierenden Schmerz und Probleme symbolisieren und man die nicht einfach wegfegen kann. Wären sie weg, wäre ich heute definitiv ein völlig anderer Mensch… es wäre vermutlich einfacher, aber ob es tatsächlich besser wäre, weiß ich nicht. Ich hätte kaum einen meiner heutigen Freunde kennengelernt, weil ich mich mit so ziemlich allem, was mich heute interessiert vermutlich gar nicht beschäftigt hätte… keine Ahnung, ob ich dann nach dem Sinn des Lebens gefragt und Gott kennengelernt hätte. Vermutlich hätte ich die Schule fertig gemacht und studiert, allerdings weiß ich nicht, was ich studiert hätte…
      Würde der Scherbenhaufen heute einfach verschwinden würde ich neben all den Schwierigkeiten auch mein Leben, meine Persönlichkeit, meinen Freundeskreis und mich selbst verlieren… und ich fange gerade an mich selbst und mein Leben zu mögen 😉

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      1. Sehr gute Erkenntnisse 🙂 Unsere Erfahrungen formen uns und wir formen uns durch sie. Unsere Reaktionen auf die Ereignisse in unserem Leben lassen uns uns selbst erkennen.
        Und wie wäre es, den Scherbenhaufen einzuschmelzen und ein wunderbares Kunstwerk daraus zu gestalten? 😉

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      2. Tatsächlich ist der Text schon ein bisschen älter… und ich arbeite daran aus den Scherben etwas schönes zu bauen 😉
        Da ich mich mit einschmelzen nicht so gut auskenne, aber gut puzzlen kann, bastel ich eher ein nettes Mosaik daraus XD
        Außerdem möchte ich trotz allem Schmerz die Scherben als Erinnerungen behalten, damit ich nicht vergesse, wie es war und wie es sich angefühlt hatte, dann kann ich anderen besser helfen und mehr verstehen 😉

        Gefällt 1 Person

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