Schwarzes Monster – Depression

Wenn die Depression, ein großes schwarzes Monster,  
umringt von schwerem, grauen Nebel, da ist, dann geht gar nichts mehr.
Alles ist dunkel, kein Licht dringt an ihm vorbei!
Der Nebel verschluckt alles.
Es hilft mir nicht, wenn du mir sagst, wie schön es doch draußen ist.
Es hilft mir nicht, wenn ich weiß, dass draußen die Sonne scheint.
Es hilft mir nicht einmal, wenn ich sie kurz durch ein kleines Fenster sehen
kann, denn da ist trotzdem immer noch das Monster.
Groß.
Schwarz!
Ich habe zu allem Überfluss auch noch panische Angst vor Monstern.
Egal wie groß, welche Farbe oder wie „nett“ sie angeblich sind.
Es ist ein Monster und das endet bei mir im Totstellreflex.
Unfähig mich zu bewegen, hocke ich in der Ecke.
Das Monster nimmt mir die Hoffnung auf Licht und gleichzeitig liegt der
graue Nebel wie bleierne Schwere auf mir und ich kann mich kaum noch
bewegen.
Ich denke, das Monster zerfleischt mich ohnehin, sobald es mich sieht.
Also nicht bewegen.
Bloß keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen, damit es mich nicht bemerkt.
Lautlos tropfen mir die Tränen vom Kinn.
Der Schock und die Angst sitzen in jedem Glied.
Ich wische die Tränen nicht einmal fort.
Das getraue ich mich nicht, denn es könnte seine Aufmerksamkeit auf mich
lenken.

Dann kommst du und fragst, was ich da unten mache.
Panisch signalisiere ich dir, leise zu sein, das Monster guckt schon so
lustvoll.
Aber du kannst ihn nicht sehen.
Also erzählst du mir, wie wunderschön es draußen ist und dass ich auch
raus kommen soll.
„Den ganzen Tag in der Bude zu hocken bringt doch nichts!“
„Rausgehen bringt genauso wenig!“, denke ich im Stillen.
Wohl darauf bedacht es nicht laut zu äußern, du würdest es doch nicht
verstehen.
Diese Gleichgültigkeit und dass letzten Endes doch nichts irgendeinen
Unterschied macht.
Meine längst getrockneten Tränen siehst du nicht.
Du ziehst mich auf die Beine.
Ich wackel. Bin zittrig.
Das Monster knurrt. Fixiert mich mit seinen fiesen kleinen Augen und
bleckt bereits die Zähne.
Du registrierst es nicht.
Ich wünschte mir du hättest dich einfach nur zu mir gesetzt.
Es mit mir zusammen ausgehalten.
Für uns eine Höhle aus Decken gebaut und dich mit mir gemeinsam vor
der Welt und dem schwarzen Monster versteckt.
Mich vielleicht in den Arm genommen und gesagt: „WIR schaffen das!“

Stattdessen lasse ich mich von dir hinaus bringen.
Unter Menschen!
Das Monster bleibt zurück, aber was solls? Außer mir kann ihn ja doch
keiner sehen.
Nur der dichte Nebel begleitet mich auf Schritt und Tritt.
Die Welt ist kalt und grau, weil mich nichts erreicht.
Fühle mich wie in Watte gepackt.
Ich kann nichts mehr fühlen, alles ist meilenweit entfernt.
Um nicht aufzufallen habe ich immerhin ein Lächeln auf meine Lippen
gebracht.
Ich versuche unbeschwert zu sein.
Den Augenblick zu genießen.
Zu entspannen.
Fröhlich zu sein...

Aber es geht nicht, denn das schwarze Monster blockiert meine Gedanken.
Es frisst meine Gefühle und da ist nichts mehr.
Kein Gefühl.
Nur Leere.
Als leere Hülle stehe ich neben dir, lächle, nicke.
Weiß allerdings gar nicht, worüber du gerade redest.
Ich hoffe einfach, dass du nichts fragst.
Meine Gedanken sind bei dem Monster.
Ich fühle mich auch hier von ihm beobachtet.
Ich weiß, dass es zuhause schon darauf wartet mich wieder in eine Ecke zu
zwingen.
Mich unter Kontrolle zu bringen.
Kontrollverluste hat es gar nicht gern!
Wenn ich weg war, ist es immer noch schlimmer, als hätte ich versucht es
zu verlassen und wäre ihm untreu geworden.
Es ist ziemlich eifersüchtig, das Vieh!
Ich fühle mich ihm hilflos ausgeliefert.
Es ist stärker und hat scharfe Zähne.
Außerdem könnte ich niemanden verletzen. Selbst nicht solch ein Monster.
Nur mich selbst.

Aber es verfolgt mich, spukt durch meinen Kopf.
Du fragst was los ist, ich wäre so still.
„Ach nichts“, antworte ich, denn ich finde keine Worte dafür.
Die meisten Menschen haben nicht einmal Angst vor Monstern oder
glauben an deren Existenz.
Ich schäme mich, weil ich es nicht besiegen kann.
Weil ich mich ihm so hilflos ausgeliefert fühle.
Und selbst wenn ich versuche es jemandem zu erklären, kann er es nicht
verstehen.
So ein kleines Monsterchen ist doch ganz süß?!
Und draußen ist es hell, die Sonne scheint, es ist einfach wunderschön.

Resigniert flüstere ich nur noch: „Erklär das doch bitte mal meinem Gefühl!“
Es glaubt mir nicht.
Wurde zu oft schon belogen und betrogen...
Vom Kopf her weiß ich es ja auch irgendwo.
Das Monster hat mich schließlich auch noch nie gebissen, aber das könnte es.
Und nur, weil draußen die Sonne scheint, heißt das noch lange nicht, dass
sie bis in mein Inneres reicht...

Endlich bringst du mich wieder heim.
Ich höre mein Bett vor Erschöpfung bereits Straßen vorher schreien.
Ich sehne mich nach Ruhe und alleine sein.
Das Lächeln von meinen Lippen wischen zu können und heimlich zu
weinen.
Es war so anstrengend, ich bin so ko.
Du willst morgen wieder kommen und mich abholen.
War doch schön mal wieder draußen zu sein?!
„Ja, klar...“ antworte ich monoton, während in mir alles schreit: „NEIN!
Bitte nicht!“
Du denkst, du hast mir etwas Gutes getan. Mich aus meiner Monotonie
gerissen.
Animiert etwas zu tun und raus zu gehen.
Du hast es auch sicher gut gemeint und so...
Ach egal, solange es dir gut geht und du denkst, du hättest mir geholfen...

Welche Rolle spielt da mein Gefühl?

Erschöpft falle ich ins Bett, will wochenlang nur noch schlafen.
Liebevoll liegt mein Monsterchen da, ich könnte es fast gerne haben.
Es erwartet nichts von mir.
Ich muss ihm nichts vorspielen.
Es ist so schön mit ihm zu harmonieren!
Ich darf sein, wie ich bin.
Es geht mir nicht auf die Nerven und ich darf mich einfach in meine Decke
kuscheln...

Disziplin, Sport, Bewegung, Aktivität, sagen mir die Ärzte.
Aber wozu? Mir fehlt einfach die Kraft.
Mir fehlt die Motivation mich zu motivieren.
Und Ich frage mich was macht es für einen Unterschied?
Am Ende ist es egal, ob ich den Tag im Bett verbracht habe oder spazieren
war.

Die Sinnlosigkeit des Seins...

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