Warum es so wichtig ist über Suizidgedanken zu sprechen!

Suizidalität ist nach wie vor ein Tabu-Thema

Immer noch ist Suizidalität mit großen Ängsten und Stigmatisierungen verbunden, was es Betroffenen so schwer macht darüber zu sprechen und sich Hilfe zu suchen. Auch während einer Behandlung bei einem Therapeuten trauen sich viele nicht diese Gedanken anzusprechen. Aus Studien geht hervor, dass Menschen vor einem vollendeten Suizid gehäuft einen Arzt aufgesucht haben, die akute Gefährdung jedoch nicht erkannt wurde. Häufig besteht die Angst darin nicht ernst genommen zu werden, soziale Kontakte zu verlieren, als psychisch krank abgestempelt zu werden und zwangseingewiesen und behandelt zu werden. Viele denken auch, dass sie niemand verstehen oder ihnen helfen kann. Oft testen Betroffene die Reaktion ihres Gegenübers durch vorsichtige, versteckte Andeutungen, deshalb ist es besonders wichtig diese zu erkennen und ernst zu nehmen!

Die häufigsten Ursachen für Suizidgedanken sind:

  • Innerer Schmerz
  • Hoffnungslosigkeit
  • Innere Leere
  • Einsamkeit/ Vereinsamung
  • Verlust von Menschen, Beziehungen, Fähigkeiten
  • unerfüllte Bedürfnisse nach Liebe, Nähe, Anerkennung, Autonomie, Zugehörigkeit, Geborgenheit, Verständnis, etc.

Risikofaktoren:

  • Traumata
  • Missbrauch
  • Vernachlässigung
  • Häusliche Gewalt
  • Verlusterfahrungen
  • Isolation
  • fehlende soziale Unterstützung
  • Umsiedlung und Vertreibung
  • Stigmatisierung
  • Diskriminierung
  • Freiheitsentziehung
  • Leichter Zugang zu Suizidmitteln
  • Ungünstige Berichterstattung

(WHO (2014): Preventing suicide: a global imperative

Warnsignale

Bitte beachte, dass es ein Merkmal sein kann, aber nicht zwangsläufig sein muss.

  • Über Suizid sprechen/ einen Todeswunsch äußern (dies gibt es in direkter oder indirekter Form. Z.B.: „Ohne mich wärt ihr alle besser dran.“, „Ich wünschte mir, ich wäre nie geboren.“, „Ich halte das nicht mehr aus.“, „Ich kann nicht mehr.“, „Falls wir uns nochmal sehen…“
  • sozialer Rückzug

Dinge, die einmal wichtig waren, werden plötzlich bedeutungslos…

  • Regeln von Angelegenheiten

Sein Leben aufräumen, Sachen verschenken, ein Testament aufsetzen oder Familienangelegenheiten klären, können ein Indiz für Suizidabsichten sein.

  • Sich verabschieden

Anrufe oder Besuche um sich still zu verabschieden. Insbesondere, wenn damit versteckte Andeutungen einhergehen. Abschiedsbriefe schreiben.

  • Vermehrtes Interesse am Thema Tod oder Sterben

Gedichte oder Texte darüber lesen oder schreiben, Bilder malen, Bücher und Webseiten zur Thematik lesen. Musik zum Thema hören oder Videos dazu schauen.

  • Nach der passenden Methode suchen

„Was sind sichere Suizidmethoden?“, „Welche Varianten sind möglichst Schmerzlos?“, „Wie bekomme ich an die benötigten Mittel heran?“

  • Das Gefühl von Hoffnungs- oder Ausweglosigkeit

„Es wird nie wieder besser.“, „Ich werde das nie schaffen.“, „Ich kann das nicht mehr.“, „Das ändert sich sowieso nicht.“, „Da kann man nichts machen…“

  • geringes Selbstwertgefühl, hohe Selbstkritik

Betroffene empfinden sich oft als Wer- oder nutzlos. Meistens haben sie Schuld- oder Schamgefühle. „Ohne mich wären alle besser dran.“, „Ich nutze doch niemandem etwas.“, „Ich kann gar nichts.“, Es ist alles meine Schuld.“, etc.

  • Risikoverhalten

z.B.: erhöhter Alkohl-/ Drogenkonsum, ungeschützter Geschlechtsverkehr, riskanter Fahrstil, gefährliche Freizeitaktivitäten. Selbstsverletzendes Verhalten wie Ritzen, Verbrennungen, Haare ausreißen, blutig Kratzen etc. sind zwar immer ein Hilfeschrei, jedoch kein direktes Anzeichen für Suizidalität, außer sie sind direkte Folgen eines Suizidversuches.

  • Veränderungen im Verhalten

Stimmungsschwankungen, Persönlichkeitsveränderungen (z.B. von angepasst zu rebellisch oder von offen zu still)

  • körperliche Veränderungen

Vernachlässigung der Körperhygiene, verändertes Schlafverhalten, Schwächegefühl, veränderte Essgewohnheiten und Körpergewicht, verminderter Sexualtrieb, verminderte oder verstärkte Bewegungsgewohn- heiten

  • Plötzliche Ruhe und Gelöstheit

Wenn jemand nach längerer Niedergeschlagenheit und Verzweiflung plötzlich ruhig und Gelassen wirkt, kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass er mit dem Leben abgeschlossen und sich entschieden hat dieses zu beenden.

Vorurteile!

Menschen, die von Suizid reden, wollen nur Aufmerksamkeit. Wer sich wirklich umbringen will, redet nicht davon!

Falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Viele suchen vor der Tat vermehrt Hilfe von außen. Der Suizid ist dann oft der letzte Ausweg, wenn die Alternativen nicht erfolgreich waren… 80% aller Suizide werden vorher angekündigt, daher ist es wichtig, jede Äußerung in diese Richtung Ernst zu nehmen! Abgesehen davon ist Aufmerksamkeit nichts Schlechtes! Jeder will und braucht sie. Jeder Mensch will gehört und verstanden werden!

Jemanden auf Suizidgedanken anzusprechen, ermutigt ihn es erst recht zu tun!

Falsch! Viele haben Angst davor, jemanden direkt auf Suizidgedanken anzusprechen. Aber warum? Es brint sich niemand um, bloß weil du ihn darauf ansprichst! Die meisten sind eher erleichtert, wenn sie endlich eine Gelegenheit haben über ihre Gedanken reden zu können, ohne direkt dafür verurteilt zu werden! Sie sind erleichtert, weil sie nicht mehr alleine damit sind und alles mit sich alleine ausmachen müssen. Es ist weniger gefährlich das Thema direkt anzusprechen, als es totzuschweigen. Ein Gespräch, Unterstützung, ein bisschen investierte Zeit, Informationen und aufgezeigte Alternativen, können Leben retten! Betroffene befinden sich oft in einem Tunnelblick sehen keinen anderen Ausweg mehr! Sprich es aber bitte nur an, wenn du auch wirklich bereit bist, zu helfen. Falsche Hoffnungen führen bei dem Betroffenen lediglich zu weiteren Enttäuschungen…

Suizid ist keine Lösung!

Für Betroffene ist oft die einzige noch sichtbare Lösung, um ihren Schmerz und ihr Leiden zu beenden! Erst wenn ihr Leben vorbei ist, endet auch ihr Schmerz, denken viele.

Jemandem, der sich das Leben nehmen will, kann keiner mehr helfen!

Falsch! Ein offenes, urteilsfreies Gespräch, eine Tasse Kaffee oder Tee, können Leben retten. Oft schaffen es Betroffene nicht mehr sich selber Hilfe zu holen. Therapien sind zwar kein Wundermittel oder eine Garantie dafür, dass sich jemand nicht das Leben nimmt, sie können jedoch eine große Hilfe dabei sein mit seinen Gefühlen besser umgehen zu lernen oder wieder einen Weg zurück ins Leben zu finden.

Suizid ist egoistisch!

Eine einfache Lösung für Angehörige, da sie sich verlassen fühlen. Oft ist jedoch der Gedanke an die Angehörigen der einzige Grund, der den Verzweifelten so lange davon abgehalten hat sich das Leben zu nehmen. Viele denken auch sie tuen ihren Angehörigen einen Gefallen damit sich umzubringen, da sie ihnen dann nicht mehr zur Last fallen können…

Suizid ist feige!

Es ist keine Frage von Feigheit. Es ist eine Frage, wie verzweifelt ein Mensch ist und wie Hoffnungslos und einsam sich jemand fühlt…

Wie du helfen kannst…

Es gibt leider keine Patentlösung daher sind die folgenden Punkte lediglich Vorschläge und Anregungen…

  • Einfach nur „da sein“ ist bereits eine große Helfe!
  • Sei ein Freund. Hör zu und nimm es ernst.
  • Stell einen sozialen Kontakt und eine Vertrauensbasis her.
  • Sprich das Thema offen und konkret an. Z.B. dass du dir Sorgen um die Person machst oder die Folgen für andere…
  • Versuch nicht in Panik zu geraten!
  • Lass dem Betroffenen Zeit und Raum. Manches braucht Geduld. Nicht jeder ist immer und überall bereit über dieses Thema zu sprechen.
  • Zuhören ist wichtiger als Reden!
  • Signalisiere trotzdem immer wieder die Bereitschaft, dass du dafür ansprechbar bist.
  • Mach der Person keine Vorwürfe, das setzt ihn nur zusätzlich unter Druck und verstärkt sein Gefühl eine Belastung für andere zu sein.
  • Zeig Verständnis für seine Situation und begegne ihm mit Akzeptanz und Wertfreiheit.
  • Versuch nicht seine Probleme zu verharmlosen! Das führt nur dazu, dass er sich nicht ernst genommen fühlt. Für ihn fühlt sich der gegenwärtige Zusatand unerträglich an! Egal, ob es für dich von Außen nicht so hoffnungslos aussieht.
  • Du kannst dem Betroffenen auch stellvertretend Hoffnung geben, wenn dieser keine mehr hat, das kann ihm etwas geben an dem er sich festhalten kann.
  • Es kann sehr hilfreich sein von Außen Vorschläge zu machen oder Impulse zu geben, jedoch nicht als Ratschlag.
  • Gib der Person das Gefühl, gebraucht zu werden. Viele Menschen, die nicht mehr leben wollen, fühlen sich wertlos!
  • Nimm die Suizidgedanken ernst und versuch nicht sie wegzudiskutieren!
  • Animiere die Person ihre Gedanken und Gefühle aufzuschreiben, das kann Klarheit und Erleichterung verschaffen.
  • Klarheit ist wichtig! Versprich nur, was du auch halten kannst.
  • Es ist völlig in Ordnung, wenn du dich damit überfordert fühlst! Wenn du jedoch etwas versprichst, das du dann nicht halten kannst, eine weitere Enttäuschung kann er gerade nicht auch noch gebrauchen…
  • Du solltest authentisch sein und bei dir bleiben. Es ist keinem damit geholfen, wenn du deine Grenzen überschreitest und dann selber in eine Krise gerätst.
  • Lass die Betroffene Person nach Möglichkeit nicht alleine.
  • In ganz akuten Situationen kann es eine große Hilfe sein, die Betroffene Person für ein paar Tage zu sich einzuladen, damit sie wieder durchatmen und den Kopf frei kriegen kann.
  • Oft kann auch Schlafen eine akute Situation entspannen. Sowie gutes Essen oder etwas Bewegung.
  • Geh mit der betroffenen Person spazieren, dabei lässt es sich besser reden, als in einem Zimmer.

Was du für dich tun kannst…

  • Informier dich über Suizidalität!
  • Lass dich nicht unter Druck setzen. Wenn du das Gefühl hast mit einer Außenstehenden Person darüber reden zu müssen, dann tu es. Alles andere wäre eine zu große Last für dich selber!
  • Versuch die Verantwortung und Sorge um die betroffene Person auf mehrere Schultern zu verteilen, damit du selber nicht alleine bis.
  • Beziehe andere Freunde, Ärzte, Fachleute, Lehrer, Eltern oder erwachsene Kinder mit ein.
  • Sprich also mit einer Vertrauens-person oder einem Fachmann darüber, denn auch du kannst jetzt Unterstützung gebrauchen.
  • Such dir Gleichgesinnte, mit denen du dich austauschen kannst. (Z.B. in Selbsthilfegruppen oder übers Internet)
  • Sorge gut für dich!
  • Wahre deine eigenen Grenzen.

Bevor du die Polizei oder einen Krankenwagen rufst, stell dir die Frage, was danach passiert?

Polizei und Krankenhäuser sind keine Retter.

Sie können die Situation auch verschlimmern.

  • Es besteht die Möglichkeit einer Zwangseinweisung! Vielleicht auch mit Gewalt und Handschellen, wenn die betroffene Person versucht sich dagegen zu wehren!
  • Im Krankenhaus besteht die Gefahr einer Fixierung oder Zwangs-medikation, sollte die betroffene Person nicht die Anweisungen der Ärzte befolgen!
  • Diese Maßnahmen sind entwürdigend und traumatisierend.
  • Viele Betroffene bringen sich nach einer Zwangseinweisung erst recht um, da ihnen hierbei auch noch ihre Menschenrechte und Würde abgesprochen wird, das ein Vertrauen in die Welt und die eigene Situation nicht verbessert…

Quellen und weitere Informationen rund um das Thema Suizidalität findet ihr auf den folgenden Seiten:

https://www.u25-freiburg.de/infothek/selbstmord-suizid/

https://suizidgedanken.net/

https://www.suizidpraevention-zh.ch/ich-bin-besorgt-um-jemanden/erwachsene/warnzeichen-ernst-nehmen/warnzeichen/

https://www.suizidpraevention-deutschland.de/informationen-ueber-suizid.html

https://www.palverlag.de/selbstmord-suizid.html

https://www.frnd.de/zahlen-fakten/

http://innerview-mag.de/suizidpraevention-freunde-fuers-leben/?fbclid=IwAR2zaKYbCfMR2kpnyrJsbc2vZUVDjbssoJij91LNYtepUCB0OfEFXA9hx20

http://www.top-gesundheitstipps.de/thema/suizid.html

https://www.lostbehindthemirror.com/2017/09/04/mythen-und-irrglauben-ueber-suizid-ein-aufklaerungsartikel/

https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/wissenswertes/suizid-vorurteile

https://www.irrsinnig-menschlich.de/hilfe/suizid/

https://www.telefonseelsorge.de/

https://www.suizidprophylaxe.de/suizidalitaet/allgemeine-informationen/

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