Sehnsucht

Ich sehne mich nach einem guten Freund.
Einer besten Freundin. Mit der ich reden kann. Offen. Ehrlich!
Bei der ich mich nicht verstellen muss.
Die Tränen nicht zurückhalten muss.
Bei der ich sein darf, wie ich bin.

Stattdessen schweige ich und werd ganz still.
Will niemanden belasten…
Ich ziehe mich zurück und behalte meine Gedanken für mich.
Ich bleibe allein mit meiner Dunkelheit.
Will niemanden mit hinab ziehen.

Ich trinke zu viel und verrate keinem was in mir ab geht.
Es würde sie nur belasten. Sie würden es eh nicht verstehen… geschweigedenn akzeptieren.
Sie würden mich einweisen. Ich würde wieder weggesperrt, weil ich zu verzweifelt bin.
Ich plane mein Leben zu beenden.
Mich zu suizidieren…

Ich kann nicht mehr.
Hab keine Kraft mehr zu kämpfen.
Keinen Mut mehr zu vertrauen, zu hoffen, dass es irgendwann einmal besser wird!

Am tiefsten können einen die verletzen, denen man vertraut hat.
Ich bin es leid. Leid zu versuchen.
Leid zu kämpfen, damit am Ende wieder alles einstürzt und ich nen weiteren Arschtritt kassier.
Ich war schon zu oft an diesem Punkt.
Musste immer wieder aufstehen und neu anfangen…

Die, die einem helfen sollten müssen wieder ihre Macht demonstrieren.
Zeigen, dass sie am längeren Hebel sitzen und Zack! Ist man abserviert.
Ich bin zu bedrohlich.
Zu unbequem!
Denn ich rede über zu unangenehme Themen…

Aber was solls? Wen interessierts?

Ich wünschte ich hätte jemanden zum reden.
Jemanden, der da ist. Der zuhört. Mich versteht.
Wo ich sein darf, wie ich bin ohne verurteilt zu werden.
Jemanden, der mich aushält so, wie ich bin.
Mit all meiner Wut, meiner Verzweiflung, meinem Schmerz.
Mit dem ich reden kann ohne Angst zu haben, abgeschoben und weggesperrt zu werden.

Doch diese Möglichkeit wird mir verwehrt!
Von „Fachleuten“ die mir helfen sollten. Aber Angst haben, dass sich jemand suizidiert…
Und merken nicht, dass ihr Verhalten genau dazu führt.
Dass ich alleine bin. Hoffnungslos. Verzweifelt.
Mein Vertrauen erneut gebrochen.
Meine Hoffnung wurde mal wieder von der Realität zerstört!

Und daher bleibe ich alleine.
Mit meinen Plänen.
Meinen Gedanken.
Meinem Schmerz!

Ich wünschte ich hätte einen guten Freund. Eine beste Freundin.
Zu der ich gehen kann, wenn ich nicht alleine sein will.
Die mir Halt gibt, wenn ich mich selbst nicht mehr ertragen kann.
Wo ich einfach sein darf. Ohne alleine zu sein.

Ich habe lange gekämpft.
Doch jetzt geb ich auf…
Ich bin alleine. Kann mit niemandem reden.
Es ist keiner da, der mich versteht…
Niemand zu dem ich gehen könnte.
Und würde ich reden, würde ich nur wieder weggesperrt!

Aber hey, es ist OK!
Ich habe ohnehin nie hierher gehört…
Eine Oberärtzin sagte mir vor Jahren: „Ihre Lebensqualität ist schlechter als die eines sterbenden Tumorpatienten!“
Eine andere Oberärztin sagte bereits vor Jahren „ich bin jemand, dem ganze Kliniken nicht mehr helfen können!“

Und wenn ich dann tot bin, habe ich endlich meinen Platz gefunden.
Einen Platz an den ich passe…
Ich passe endlich in die Statistik!
Denn eigentlich habe ich ohnehin schon viel zu lange überlebt…

***

Dieser Text entstand vor wenigen Wochen, als ich sehr plötzlich aus einem Verein als Selbsthilfegruppenleiterin rausgeschmissen wurde. Weil ich eine weitere Selbsthilfegruppe für Menschen mit Suizidgedanken gründen möchte. Das war für die erste Vorsitzende des Vereins zu bedrohlich und meine Selbsthilfegruppe für Borderline Betroffene wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Ich bekam eine Frist von zwei Tagen über die offizielle Mailadresse die Teilnehmer/innen darüber zu informieren.

Es hat mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weggerissen!

Und sowas will sich dann „professionell“ nennen!

Zumal sie theoretisch wusste, dass mich so ein Rausschmiss triggern würde. Aber sie hat es mutwillig in Kauf genommen. Diese angeblich professionelle Expertin. Der die Betroffenen offensichtlich scheiß egal sind. Aber Hauptsache Trialog und auf Augenhöhe. Von wegen!

Inzwischen habe ich mich wieder halbwegs gefangen und werde es wohl nochmal versuchen mit dem „Leben“… Auch wenn es nicht einfach werden wird…

***

Fight, flight, freece…

Erst war ich wie gelähmt. Am Boden zerstört…

Dann wollte ich nur noch abhauen. Weg, einfach ganz weit weg. Den Schmerz nicht mehr aushalten. Fliehen vorm Leben…

Jetzt werde ich kämpfen. Weil ich weiß, dass es wichtig ist. Weil wir gehört werden müssen! Weil ich anderen helfen kann mit meinen Erfahrungen. Weil es viele verzweifelte Menschen gibt, die eine Stimme brauchen…

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