Suizidgedanken

Ich möchte heute über ein Thema sprechen, das viele kennen. Ein Thema, das viele meiden. Und ein Thema vor dem viele Angst gaben.
Es geht um das Thema Suizid.
„Selbstverletzungen und Suizid gehen Hand in Hand“, sagen die Ärzte.
„Das stimmt nicht“, sage ich. Ich verletzte mich oft um des Verletzens willens. Oft um einen Suizidversuch zu verhindern. Es war ein Kampf. Ein ÜBERLEBENSKAMP! Der seine Spuren hinterließ auf meiner Haut.
Doch irgendwann hörte ich auf mich einfach zu verletzen. Ich hörte auf zu kämpfen. Ums überleben. Ich hörte auf mich zu ritzen, es machte keinen Sinn mehr für mich, denn ich wollte nicht mehr leben… Es machte keinen Sinn mehr mich zu spüren, wenn ich tot sein wollte. Es ergab keinen Sinn mehr, denn ich wollte lieber sterben. Ich hasse Schmerzen!
Wenn ich mich heute „verletze,“ dann steht es in der Regel in direktem Zusammenhang mit einem Suizidversuch. Dann bringe ich mich um. Naja, ich versuche es zumindest. Offensichtlich bin ich nicht sonderlich gut darin, denn ich bin ja noch hier. Aber auch wenn ich es körperlich nicht schaffe mich zu töten, sterbe ich innerlich jedes Mal ein bisschen mehr. Und alle Maßnahmen, die nach einem missglückten Versuch folgen, helfen mir dabei mich noch weiter zu vernichten…
Die Profis sagen ich wollte gar nicht wirklich sterben. Denn sonst wäre ich bereits tot.
Doch, ich wollte! Ich wollte nichts lieber als das! Ich wünsche mir nichts sehnlicher als nicht mehr atmen zu müssen. Jeder Atemzug, der so schmerzt als wäre die Luft gespickt von Scherben. Winzigen kleinen Scherben, die Höllenschmerzen verursachen, aber nicht ausreichen um zu sterben.
Das ganze Thema Suizid wird aufgebauscht mit Tabus. Es wird pathologisiert und extravagiert. Es wird hochgestochen und suggeriert, dass nur Fachleute helfen können. Dass nur Fachleute damit umgehen und einen behandeln können und schon ist man zum Patienten degradiert.
Fachleute sollen helfen und haben selbst am meisten Angst davor. Oft trauen sie es nicht zu und wir bleiben automatisch damit alleine. Doch das schmerzhafteste ist das Schweigen und damit alleine zu sein.
Es wird verboten darüber zu sprechen. Aus Angst der Triggergefahr. Dass es ansteckend sein könnte. Was für ein Schwachsinn. Haben die denn kein bisschen Hirn?
Was mich umbringt ist die Einsamkeit. Dass ich alleine bleib. Weil ich mit niemandem offen darüber reden kann… Weil keiner zuhört oder überhaupt etwas davon hören will.
Immer häufiger bekomme ich zu hören – oder lese – wie sehr unsere Angehörigen und auch die Fachleute unter und „kranken“ Menschen zu leiden haben. Wie schwer wir ihnen das Leben machen. Wie sehr wir sie belasten…
Sie sind über fordert. Bekommen Panik, sperren mich ein. Dabei ist längst erwiesen, dass das nichts bringt. Statistisch haben sie damit mein Suizidrisiko erneut erhöht.
– Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass ich einmal durch Suizid sterbe Richtung 100% geht.
Dass Gewalt und Folter, weitere Traumata und Erniedrigungen, dass Entmündigungen und Ohnmacht nicht gerade mein Selbstbewusstsein fördern.
Doch dann ganz gewitzt, weggesperrt und zensiert. Erzählen sie mir dann ich müsste anfangen mich selber zu lieben. Verantwortung für mein Leben übernehmen!
Alles in dem Irrglauben, dass mein Suizid ein Symptom meiner Krankheit ist. Dass sie mich mit Gewalt daran hindern können.
– Gewalt erzeugt Gegengewalt!
Sie wollen eine Risikoabschätzung! Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir etwas antue? Sie stellen Fragen und Fragen. Setzen Kreuze und zählen Punkte zusammen. Und merken nicht, dass sie diese Kreuze zwischen uns stellen! Dass die Punkte sich auf Kosten unserer Beziehung summieren. Dass die Fragenkataloge die Menschlichkeit zerstören und wir immer weiter auseinander driften.
Risikominimierung ist ihr Stichwort. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich längst wiederlegt, aber da sie nichts anderes haben, halten sie sich trotzdem noch daran fest. Oder versuchen es zumindest.
Abgestellt auf dem Abstellgleis. Im Abstellbett in der Psychiatrie.
Sie fragen, ob ich Pläne habe, ob ich aktuell Suizidabsichten hätte, ob ich Absprachefähig bin und mich melden kann? Ich soll zusichern, dass ich bescheid sage, wenn es schlechter wird. Bevor ich mir etwas antue.
Wie soll es schlimmer werden, wo es doch längst unerträglich ist!
Wohin wenden? Es ist niemand da, dem ich vertraue. Niemand da, der sich die Zeit nimmt zuzuhören oder gar versteht… Es sind doch bloß leere Floskeln, die zu ihrer Sicherheit dienen sich abzusichern, wenn ich mir etwas tu. Damit sie nicht haftbar sind soll ich Dinge versprechen, die ich nicht versprechen kann. Um sie abzusichern geht es doch gar nicht mehr um mich als Mensch. Und das bereits von Anfang an.
Sie versuchen meine Gedanken zu Gliedern. Meine Suizidalität in Rastert zu pressen. Das ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt!
Doch ob ich sage „es geht mir gut“ oder „es geht mir schlecht“, was macht das für einen Unterschied? Besser geht es mir davon nicht. Selbst wenn ich auf die Frage gar nichts antworte, interessiert es nicht.
Es geht mir nur noch schlechter, wenn ich die Gleichgültigkeit spüre. Die Überforderung, die Angst. – Nicht direkt Angst vor mir, aber davor, dass ich mir etwas antue.
Sie halten mir vor es sei „hochaggressives Verhalten“ – für diese Zensur reicht es auch aus lediglich darüber zu sprechen. Und ich traumatisiere die Menschen mit meinen Selbstverletzungen. Ganz abzusehen von der Manipulatur!
Meine eigenen Traumata interessieren nicht. Meine Gefühle interessieren die wenigsten, es ist einfach nicht wichtig, nicht wichtig, was dazu geführt hat. Es ist nicht wichtig, was die Verzweiflung ausgelöst hat, denn sie können es nicht ändern und die Verzweiflung an sich zu bedrohlich, dass man besser nicht nachfragt.
Und wenn ich versuche über etwas zu sprechen folgen Sanktionen. Auf Suizidgedanken stehen Strafen wie: Ausgangssperre, 1:1 Betreuung, eine Dröhnung Drogen, Machtdemonstrationen, Kontrolle, Überwachung…
Genau wie bei meinem Vater. Damit fing doch alles an. Mit Macht, Missbrauch, Traumata, Kontrolle, Angst ein falsches Wort zu sagen und bestraft zu werden. ANGST. Immer und überall Angst. Ich fing an mich zu verstecken. Meine Gefühle zu verbergen. Meine Gedanken zu verschweigen….
Und genau da bin ich jetzt wieder. Es nennt sich halt nur Psychiatrie und die Strafen und Gewalt sind gesellschaftlich und gesetzlich akzeptiert. Und mal wieder sind die Menschen am besten darin einfach weg-zu-sehen….
Wie soll es nun besser werden dadurch? Hebt ein Trauma ein anderes auf? Wie kann man nur so naiv sein?
Wie können sie glauben, dass mich das am Leben hält. Mit jedem mal zerbreche ich innerlich ein weiteres Stück…
In jeder Minute, die hier jemand sitzt und ich mich zusammenreißen und mich verstecken muss. Steigt der Druck.
Risikominimierung. Minimiert die Beziehung. Treibt einen Keil zwischen uns.
Risikominimierung minimiert das Vertrauen. Schürt die Angst aus der sie auch entstand.
Risikominimierung minimiert meine Zusammenarbeit oder Kooperation.
Risikominimierung bringt mich zum lügen, aus Angst vor den Konsequenzen.
Risikominimierung minimiert meine Überlebenschance.

Ich weiß nicht, ob ich mir nichts antue, wenn sie es lassen mich rund um die Uhr zu überwachen. Ich weiß aber, dass jede Minute, die sie es tun das Risiko steigt.
Und ich weiß, dass ich mir nichts antue, wenn ich mich verstanden fühle. Wenn ich jemanden habe mit dem ich offen über die Abgründe sprechen kann. Bei dem ich mich nicht ständig verstecken muss. Nicht aufpassen muss, was ich sage, weil ich sonst als „Hoch aggressiv“ oder als „Manipulativ“ eingestuft werde. Weil mir Dinge unterstellt oder hinein interpretiert werden…

Ich habe gelernt zu schweigen. Gelernt mich hinter einer Maske zu verstecken um nicht noch mehr Gewalt zu erfahren. Ich habe gelernt am wenigsten mit „Fachleuten“ zu reden, denn die haben am wenigsten Verständnis für mich. Viele haben in ihrem Studium ihre Menschlichkeit verloren… Sie haben am meisten Vorurteile und bereits vorgefertigte Meinungen. Sie hören am wenigsten zu und haben am meisten Macht. Sie pathologisieren und analysieren und kategorisieren bis nichts mehr übrig bleibt von mir…
Durch sie habe ich erst wirklich gelernt, was es heißt klein und hilflos zu sein.
Ich habe gelernt zu schweigen. Am lautesten in Psychiatrien. Denn dort werden ehrliche Worte, über meine Gedanken, mein Befinden, am härtesten bestraft. Es macht sie hilflos, weil sie mir keine Lebensfreude einflößen können. Und die Hilflosigkeit macht Angst. Das versuchen sie mit Macht und Kontrolle zu kompensieren, wodurch es mir nur noch beschissener geht.
Ich habe gelernt zu schweigen um andere zu schützen. Um die Menschen nicht zu überfordern. Um sie nicht allzu sehr zu belasten!
Ich habe gelernt, dass sie mir nicht helfen, sondern alles nur noch schlimmer machen. Sie geben mir Diagnosen, sperren mich ein und haben Angst vor meiner Verzweiflung.
Ich wünsche mir nichts sehnlicher als mit meiner Verzweiflung nicht so alleine zu sein…
Suizidprävention ist viel zu kurz gefasst. Jemanden daran hindern sich umzubringen? Was soll der Scheiß? Dann ist es doch längst zu spät! Dann ist bereits jemand zerbrochen und hat sein Leben für nicht lebenswert befunden. Dann hat jemand bereits entschieden, dass er nicht mehr leben möchte…
Wir sollten anfangen eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen leben möchten.
Wir sollten Menschen, die sterben wollen nicht auf eine „Krankheit“ reduzieren und wegsperren. Wir sollten ihnen eine Perspektive geben. Ihnen einen Grund geben, für den es sich lohnt am Leben zu bleiben. Wir sollten sie nicht isolieren und kontrollieren, sondern Beziehungen schaffen. Tragfähige Beziehungen, die einen Menschen tragen und am Leben halten können. Wir sollten sie begleiten und ihnen zuhören. Da sein!
Ich habe überlebt und ich fühl mich mies. Leer. Die Abgründe schmerzen unendlich sehr. Die Wunden tun weh, doch ich bin selber Schuld. Würde am liebsten im Erdboden versinken.
Ich rede und keiner hört wirklich zu. Ich rede und sie verstehen nicht. Ich rede und sie können es nicht aushalten….
Deshalb habe ich angefangen zu schweigen.
Um sie zu schützen. Und mich…
Es ist nicht mein „Borderline“ oder meine „Depression“ die mich umbringen.
Suizid ist keine Krankheit! Suizid ist eine Entscheidung. Die Entscheidung in dieser Welt nicht mehr leben zu wollen. In dieser Gesellschaft nicht mehr existieren zu wollen. Die Entscheidung mit dem Tod meinen inneren Schmerz zu beenden, weil ich keine Möglichkeit kenne wie ich ein annähernd erträgliches Leben führen kann. Es ist die Entscheidung den Tod dem Leben vorzuziehen, weil das Leben unerträglich ist.
Es ist meine Hoffnung, die zerbrochen ist, weil ich zu viele Menschen tatenlos bei Unrecht zusehen. Weil sie es hinnehmen mit den Worten: „Das ist halt so!“ Weil Menschen, die in der Position wären, anderen zu helfen, andere zu schützen, nichts tun und einfach wegsehen.
Ich kann niemandem, der vergewaltigt wurde, raten zur Polizei zu gehen, weil Täterschutz vor Opferschutz steht. Weil die Unwahrhypothese gilt, die besagt, dass das Opfer lügt. Von Anfang an wird ihm das immer und immer wieder unterstellt, bis es anfängt an sich selber zu zweifeln… Und erst wenn du nach jahrelangen Verfahren genug Beweise hast, was höchst unwahrscheinlich ist, bekommt der Täter eine Bewährungsstrafe. Wenn das Opfer dann noch lebt, hat es zumindest offiziell „gewonnen!“
Es ist mein Vertrauen, das zerstört wurde. Am meisten von Menschen, denen ich einmal vertraut hatte. Zu viele dieser Menschen.
Mein Vertrauen in den Staat, das nicht mehr vorhanden ist. Mein Vertrauen auf Gerechtigkeit, die nicht existiert. Mein Vertrauen darauf, dass Hilfseinrichtungen, meine Hilflosigkeit nicht ausnutzen und mir helfen würden, statt mich noch mehr zu zerstören.
Mein Vertrauen, dass „Freunde“ mich unterstützen und zu mir halten, statt mir in den Rücken zu fallen. Ich glaube nicht mehr an Loyalität!
Ich kann niemandem mit Suizidgedanken raten mit einem Arzt zu sprechen, weil die Antwort Einweisung ist. „Gehen sie „Freiwillig“ in die Psychiatrie oder müssen wir die Polizei rufen?“
Ich weiß, wie man dann behandelt wird. Man ist ein Mensch zweiter Klasse. Der Abschaum der Gesellschaft. Denn man konfrontiert die Menschen mit ihren eigenen Schattenseiten. Mit ihren Grenzen. Mit ihrer eigenen Hilflosigkeit. Und viele kompensieren diese dann mit Wut und Verachtung. Die bekomme ich dann immer wieder zu spüren…
Es ist die Ohnmacht bei so viel Leid zugucken müssen ohne helfen zu können. Nichts gegen die Politik ausrichten zu können, die jemanden zum Kriminellen macht, der Menschen vorm Ertrinken rettet. Es ist die Ohnmacht, dass ich Menschen weder helfen, noch sie schützen kann, weil die Stellen, die dabei helfen müssten wegsehen und die Hilfesuchenden verraten.
Es ist das Wissen, dass ich mich und meine Prinzipien verraten müsste um weiter existieren zu können, ohne an dem Schmerz, der mir die Kehle zuschnürt, zu ersticken!
Es ist die Erkenntnis, dass es keine annehmbare Alternative gibt. Dass mein Leben ein ewiger Kampf wäre. Ein Kampf gegen den Schmerz, der mich von innen auffrisst. Der mir die Kehle zuschnürt und mich kaum atmen lässt. Und ein Kampf gegen die Gesellschaft, die ignorant, penetrant die Augenverschließt und nichts sehen WILL“
Es ist das Wissen, dass ich mich mein Leben lang verstecken muss, wenn ich nicht eingesperrt werden will.
Es ist der Glaube an die Menschheit, der in Fetzen längst im Papierkorb liegt und ich den Schnipseln beim brennen zusehe und wie sich das weiße Papier rußig schwarz verfärbt und als graue Aschefetzen in die Luft aufsteigt um dann zu zerbröseln und sich im Wind zu verlieren.
Es ist einfach so, dass mir die Kraft fehlt.
Die Kraft um noch mehr Schmerz auszuhalten.
Die Kraft weitere Enttäuschungen zu überleben.
Die Kraft mir etwas Neues aufzubauen – wieder einmal. Neu anfangen. Ich habe keinen Bock mehr!
Mir fehlt einfach die Kraft um weiter zu leben…
Ich bin es so unglaublich leid! Leid zu kämpfen!
Aber am meisten bin ich es Leid, gegen die Menschen zu kämpfen, die mir eigentlich helfen sollten.
Und so habe ich angefangen mich zu verstecken.
Mir ein Spinnwebengewirr aus Lügenzusammengesponnen, damit die Menschen nicht erfahren, wie es aussieht tief in mir drin. Wie kaputt und zerbrochen ich wirklich bin. Wie hoffnungslos und einsam ich mich fühl…
Ich tu so als wäre ich stark, dann stellen sie nicht so viele Fragen. Ich sag ich schaff das schon und ertränke mich Abends im Alkohol um nicht mehr zu fühlen. Ich weine mich in den Schlaf, wenn ich überhaupt entscheide zu schlafen. Ich weigere mich dann wieder aufzustehen. Wach zu werden, zu leben. Ich zögere es hinaus, solange es geht!
Am meisten wünsche ich mir einfach nur jemanden zum reden. Jemanden, der da ist. Der zuhört. Sich Zeit nimmt. Mich nicht zensiert. Der mir glauben schenkt und Vertrauen. Der mich tröstet, mich unterstützt und mich begleitet. Jemand der mir offen, ohne Vorurteile begegnet. Der Suizidgedanken akzeptiert statt pathologisiert. Der sie als eine zutiefst menschliche Reaktion auf eine ziemlich „kranke“ Gesellschaft versteht. Ich wünsche mir jemanden, bei dem ich sein darf, wie ich bin.
Jemanden, der sich ebenfalls gegen diese abartigen Strukturen der Gesellschaft wehrt!
Jemanden, der erkennt, dass meine tiefe, angstmachende Verzweiflung einen Sinn ergibt, wenn man sich meine Geschichte ansieht.
Dass meine Suizidgedanken gar nicht mehr so „krank“ und „Abstrus“ sind, wenn man meine Vergangenheit sieht.
Dass mein Verhalten leicht zu verstehen ist, wenn man mich sieht. Mich. Als Mensch. Mit Gefühlen. Auf Augenhöhe. Ohne Pathologie. Einfach nur so…
Es ist nicht wichtig, dass man Hilfe bekommt. Es ist wichtig, dass man Hilfe fühlt!

21 Kommentare zu „Suizidgedanken

Gib deinen ab

  1. Ich konnte mich jetzt nicht konzentrieren, dass alles zu lesen, dafür ist es für mich einfach zu lang.
    Ich konnte mit meiner jetzigen Therapeutin immer offen über Suizidgedanken sprechen, sie konnte das aushalten, auch wenn mir im Nachhinein jetzt bewusst ist, wie belastend das für sie gewesen sein muss. Nur damals war mir das überhaupt nicht klar.
    Selbstverletzung hat in meinen Augen wirklich nichts mit Suizid(versuchen) zu tun. Und ja ich denke schon, wenn man wirklich sterben will, dann springt man halt vor den Zug (auch wenns fr den Schaffner scheiße ist), aber das war mir in meinen schwersuizidalen Zeiten dann auch egal bzw. ich hatte immer einen Brief an den Schaffner, der dann zu meinem Opfer würde, daheim bereit liegen, in dem ich mich schon mal entschuldigte, dass er mein Opfer wurde.
    Tabu…joa, weil’s halt oft mit Androhung gleichgesetzt wird. Ich denke man muss schon dazu sagen, dass man es nicht machen will und wenn doch, dann halt einen Profi und nicht Laien kontaktieren, die das nicht verarbeiten können. Ansonsten: nein, mich triggert auch überhaupt nicht, wenn andere suizidal sind.

    Gefällt mir

    1. Danke für deinen Kommentar! Freut mich für dich, dass du eine Therapeutin hast, die das aushalten kann! Meine musste auch schon vieles aushalten, es gibt da aber auch Grenzen…

      Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die sich wirklich umbringen wollen, es aber nicht “einfach“ tun oder eben überleben… Und vor den Zug werfen war wegen dem Fahrer und Mitfahrer nie eine Option, da macht es ein Brief auch nicht besser… Ich wollte nie direkt jemanden involvieren… indirekt egal, wie, irgendwer muss einen finden irgendwann…
      Aber das mit pro forma einen Brief fertig zu haben, kenne ich gut…

      Und wir verweisen schnell an einen “Profi“, weil “Laien“ überfordert sind. Aber inzwischen habe ich gelernt, lieber mit “Laien“ zu sprechen als mit “Profis,“ weil sie doch oft mehr Verständnis und Zeit haben und die “Profis“ oft nur Laien mit Studium sind und damit genauso überfordert sind… die wirklichen Profis sind wir, die diese Gedanken kennen und wissen, was es heißt damit zu leben…

      Gefällt mir

      1. Ja, so wie du das mit dem Zug belastend findest, geht es mir mit Laien. Könnte nie bei Freunden darüber sprechen, weil ich sie damit nicht belasten wollen würde. Finde schon, das Profis eben Profis ist und mit sowas besser umgehen können. Mich würde es sehr belasten, wenn Freunde Suizidal wären und mit mir drüber sprechen würden …

        Gefällt mir

      2. Mir wäre es lieber jemand redet mit mir drüber als er macht mir etwas vor…
        Das Problem bei den Profis ist, dass die Antwort auf Suizidalität oft Gewalt ist. Zwangseinweisung, Überwachung, Fixierung, Zwangsmedikation…. Und das macht es eher noch schlimmer…

        Gefällt mir

      3. Natürlich will ich nicht, dass sich jemand umbringt, aber ich würde die Person halt zu Profis bringen, wenn sie das äußert, weil ich weiß, dass ich das nicht leisten kann, ihr zu helfen.
        Ich wurde noch nie wegen Suizidalität fixiert, das halte ich eher für ein Gerücht. Und ich war schon fixiert und oft genug auf der Geschlossenen wegen meiner Schizophrenie. Aber dass man eben auf die Geschlossene kommt, finde ich auch angebracht, selbst wenn ich das in dem Moment erstmal nicht sehe.
        Letztendlich hilft mir auch die Medikation gegen meine Symptome auf Dauer….

        Gefällt mir

      4. Da kann jeder nur seine eigene Sicht vertreten. Ich weiß leider, dass es kein Gerücht ist, da ich bereits mehrfach deshalb fixiert worden bin!
        Und mir hilft es auf Dauer keine Medikamente zu nehmen, aber auch da ist jeder anders…
        Und ich denke, dass Beziehungen sehr viel mehr Suizidprävention sind als eine Geschlossene… manche bringen sich erst recht im durch die Gewalt, die sie dort erfahren…

        Gefällt mir

      5. Ja du hast ja auch keine Schizophrenie- da helfen die Medis halt.
        Klar ist ein gutes Umfeld wichtig, aber wenn sich jemand umvringen will, dann bleibt halt vielleicht nur die Geschlossene. Dass sich deswegen jemand unbedingt denke ich weniger, denn er hatte es ja dann eh schon vor.

        Gefällt mir

      6. Nein, ich habe keine Schizophrenie, aber ich kenne Menschen mit Schizophrenie, die besser ohne Medikamente zurecht kommen…
        Außerdem habe ich selber auch schon oft genug bewiesen, dass eine Geschlossene Station alles andere als sicher ist, selbst mit besonderer Überwachung! Und zu dem Rest gibt es Studien. Die Suizidrate ist in Kliniken oder nach Klinikaufenthalten um ein vielfaches erhöht und inzwischen ist sogar bekannt, dass diese Zwangsmassnahmen Suizidgedanken auslösen können bei Menschen, die vorher noch keine hatten…

        Gefällt mir

    1. Danke für den Kommentar! Echt, danke, mir geht es gerade ziemlich mies und ich bin in der Klinik und durch die Zwangsmaßnahmen oder weiteren davon, kann ich nicht wirklich mit jemandem reden… und eure Worte machen mir wieder etwas Mut…

      Gefällt 1 Person

  2. Danke, dass du das schreibst. Ich erkenne mich sehr darin wieder. Es ist ein grausames Gefühl. Ich habe durchaus viele tolle Menschen um mich herum, aber ich habe nur eine einzige Person vor der ich alle diese Gedanken ohne Angst aussprechen kann. Ich bin sehr dankbar dafür.

    Gefällt 1 Person

  3. Danke, für deinen Text. Er hilft mir, weil ich sehe, dass ich nicht allein bin mit meinem Gefühl in einer schweren psychischen Krise sehr einsam zu sein. Ich habe auch schon oft an Suizid gedacht, aber ich weiß, dass ich es nie machen würde, weil ich eine Tochter habe. Aber zugleich ist dadurch die Scham für mein Versagen – wieder stecke ich in einer schweren Krise, das belegt mein Scheitern – umso größer. „Du hast die Pflicht, ein gutes Vorbild zu sein“, „reiß dich zusammen usw“. Ich weiß jetzt du bist da draußen irgendwo und harderst genau wie ich mit dem Leben, mit deinem Schmerz. Nur dass du wohl viel schlimmere Dinge durchgemacht hast. Danke, dass du mir Mut machst, indem zu zeigst, dass es Foren gibt, in denen ich meine Gefühle teilen kann.

    Gefällt 2 Personen

  4. „Verantwortung für mein Leben übernehmen!“
    Das erinnert mich an etwas, das David schrieb: „Haben sie (die Behandler) nicht verstanden, dass mein Suizidversuch der letzte Versuch war, noch Verantwortung für mein Leben zu übernehmen?“
    Nein, haben sie nicht. Ihre Verantwortung meint eine gutbürgerliche Verantwortung, meint Tagesstruktur, Schlafhygiene, Ausbildung und den Willen zum Glücklichsein. Vor dem Scherbenhaufen zu kapitulieren, die letzte Grenze zu überwinden um das Leiden zu beenden, das passt nicht in ihr Konzept von Verantwortung…
    „Suizidprävention ist viel zu kurz gefasst. Jemanden daran hindern sich umzubringen? Was soll der Scheiß? Dann ist es doch längst zu spät! Dann ist bereits jemand zerbrochen und hat sein Leben für nicht lebenswert befunden.“
    Ja, viel zu spät. Für alles davor möchte niemand Verantwortung übernehmen: „Da können wir jetzt nichts mehr machen, das ist passiert, wir können Ihnen bloß helfen, mit dem Erlebten umzugehen.“ Wir leben in einer Gesellschaft, die nicht anerkennen möchte, dass einige der schlimmsten und ekelhaftesten Dinge in FAMILIEN passieren und dass Wegsehen die Norm ist. Psychiatrien sind Reparaturwerkstätten (ziemlich schlechte), aber dass die Schäden und das Leid entstehen, wird eben so hingenommen.
    Und ansonsten: So true, alles. Ist die Wahrheit so schwer auszuhalten? Ja, ist sie.
    ~Kristina

    Gefällt 1 Person

  5. Vielen Dank für diesen Text, Deine Gedanken und das schonungslose Darstellen, dass „wir“ doch auf andere Rücksicht nehmen müssen oder wenn wir (so wie ich vor Kurzem) versuchen noch um Hilfe zu schreien, „abgespeist“ werden. Ich verstehe jetzt erst das „er/sie war doch wie immer“. Ja, weil ihr alles andere nicht sehen und hören wollt. Also sind wir nach außen wie immer, füllen die leere Hülle mit dem passenden Gesicht, schminken uns ein Lächeln, während der Drang, all dies nicht mehr durchstehen und beenden zu wollen, sich hinter der Maske immer konkreter formt.
    Danke für diesen traurigen und doch so kraftvollen Text.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar! Das gibt mir Mut und das Gefühl, nicht alleine zu sein… Ich hasse dieses Maskenleben, aber irgendwie muss man sich selber ja auch schützen vor der „Welt“…

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: