Seelischer Schmerz

Der Schmerz zerfrisst mich, der Schmerz umgibt mich. Er lässt mich nicht los.
Der Schmerz hat mein Herz in Stacheldraht gewickelt. Gespickt mit fiesen Spitzen, die sich in mein Wundes Herz bohren. Über die Jahre wurden es immer mehr Stacheln. Mehr Draht. Und so blutet es, Tag für Tag.
Meine Brust ist eingeschnürt in ein viel zu enges Korsett. Ich bekomme keine Luft mehr. Will schreien, doch es kommt kein Laut. Ich bekomme gerade so viel Luft, dass ich am Leben bleibe und spüre wie mein Herz sich bei jedem Schlag in dem Draht verhakt.
Ich will das Korsett zerreißen, doch meine Hände gehorchen mir nicht. Ich kann sie nicht bewegen, sie gehören nicht zu mir. Oder etwa doch? – Ich weiß es nicht…
Fühl mich benebelt in meinem Kopf. Gelähmt vom Schmerz. Aus Angst. Ich versuche mich nicht zu bewegen, weil jede Bewegung schmerzt. Starr bin ich. Starr und gelähmt aus Angst vor dem Schmerz.
Lautlos rollen die Tränen über meine Wangen. Ich wische sie nicht weg… Ich müsste mir die Nase putzen, doch dafür müsste ich mich bewegen und das würde zu sehr schmerzen… also lasse ich es…
Keiner sieht den Stacheldraht um mein Herz, denn er ist in meinem Körper. Versteckt unter Haut und Knochen. Tief in meinem Innern. Tief in mir drin…
Keiner sieht das zu enge Korsett, denn es liegt unter meiner Haut. Ich kann nicht schreien, über meine Lippen kommt kein Laut. Ich ersticke langsam. Und ich schweige langsam, weil es doch keiner hören will.
Wen interessiert es, wenn ich sage: „Ich kann nicht mehr?“ oder „Ich schaffe das nicht mehr!“ -Richtig! Es interessiert niemanden. Sie können ja nicht helfen. Sie fühlen sich hilflos, ohnmächtig, wenden sich ab. Und dem Stacheldraht wächst ein neuer Stachel direkt in mein Herz…
Es wäre doch so einfach… Ich will doch gar nicht viel. Ein bisschen Zuwendung vielleicht. Eine Tasse Tee. Ein Gespräch. Jemanden, der mich festhält. Jemanden, der mir zuhört. Jemanden, der mich nicht alleine lässt. Jemanden, der mich nicht noch weiter in den Abgrund stürzt. Jemanden, der mich nicht fallen lässt…
Jemanden, der mich sieht, wie ich bin…
Jemanden, der hört, was ich sage…
Jemanden, der liest, was ich schreibe…
Jemanden, der versteht, weil er sich die Zeit dafür nimmt…
Ohne mich zu verurteilen. Ohne zu sagen: „Stell dich nicht so an.“, „So schlimm kann das doch gar nicht sein!“ oder „Bald sieht die Welt schon wieder anders aus.“
Ich kann es nicht mehr hören!
Und leise bohrt sich ein neuer Stachel durch mein Herz…

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