Seelenkugel

Meine Seele ist eine Kugel aus Glas.

Glänzend, strahlend und wunderschön spiegelt sich das Licht darin. Die meisten Menschen sehen die Glaskugel und denken sich: „Oh, wie wunderschön!“

In Regenbogenfarben bricht die Kugel das Licht und alle freuen sich daran. Sie bewundern die tanzenden Lichtpunkte an Wänden und Decken.

Doch die meisten Menschen vergessen, wie zerbrechlich meine Seelenkugel ist. Klein, zart, rund, dünn, empfindlich und zerbrechlich. Erst sind es nur feine Risse und die Kugel strahlt weiter. Reflektiert und bricht das Licht, nahezu wie vorher. Und keiner bemerkt etwas.

Dann werden die Risse größer und teilweise brechen die Lichtstrahlen einfach ab. Verschieben sich, weil die Glasscherben sich verschieben.

Und irgendwann entstehen Löcher. Es fehlen Scherben in dem Glas.

Ich versuche das alles mit einer Maske zu kaschieren. Ich ziehe eine Kugel aus Panzerglas um meine Seelenkugel.

Doch das Panzerglas ist stumpf. Die Kugel muss an Glanz einbüßen. Sie kann das Licht nicht mehr brechen. Es gibt keine Regenbogenreflexionen mehr und kein Lichtertanz an Wänden und Decken…

Doch es hat kaum jemand gemerkt.

Ich habe die Panzerkugel mit Tränen aufgefüllt, damit keiner den Scherbenhaufen mehr sieht. Damit irgendwann die scharfen Kanten der Scherben ein bisschen abgeschliffen sind und sich nicht jeder sofort daran schneidet, der mir helfen will sie wieder zu reparieren. Zusammen zu puzzeln, zu flicken und zu kleben. Doch bis das möglich ist, bin ich zwar in der Panzerkugel ein bisschen geschützt, aber auch unglaublich einsam.

Jetzt sehen die Menschen meine Panzerkugel. Sie bewundern meine Stärke!

„Wie stark Du bist, dass Du das alles schaffst!“,

„Wie stark Du bist, dass Du das alles überlebt hast!“

Doch wie verzweifelt und zerbrochen ich bin, das vergessen sie oft. Meine Schreie dringen nicht laut genug aus dem Innern der Panzerkugel heraus. Meine Tränen sind außen nicht sichtbar, nur ich ertrinke langsam darin…

Und dann wundern sie sich, wenn ich zusammen breche, weil ich den Schmerz und die Last einfach nicht mehr ertragen kann.

Irgendwann wird die Panzerkugel durch den Druck der Scherben und Tränen auseinander platzen und ich habe Angst was dann passiert.

Was mich dann noch zusammenhält…

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