Die Sonne und ihr Untergang

Die Sonne geht auf.

Tag für Tag.

Morgens ganz munter.

Und am Abend geht sie wieder unter.

Zu jeder Zeit.

Irgendwo und irgendwann.

Denn ist sie auch bei uns untergegangen,

so muss sie anderenorts doch weiter scheinen.

Ohne Rast und ohne Ruh,

scheint die Sonne immerzu.

Doch die Sonne ist müde von dem pausenlosen Scheinen.

Sie sehnt sich nach Ruhe.

Doch wer hört schon einer Sonne zu?

Sie hat zu scheinen.

Sie hat zu funktionieren.

Am Tag schenkt sie uns Licht

Und in der Nacht die Schatten, damit wir schlafen können.

Sie leuchtet Mond und Sterne an

Damit wir uns nicht verirren…

Tag ein, Tag aus,

das gleiche Gejammer.

Dem einen ist‘s zu warm, dem nächsten zu kalt.

Zu hell, zu dunkel, nie ist es richtig.

Die Sonne ist müde,

versteckt sich hinter den Wolken.

Sie hat keine Lust mehr die nörgelnden, undankbaren Menschen,

mit ihrer Wärme und ihrem Licht zu beschenken.

Sie zieht sich eine Decke aus Wolken über den Kopf.

Die Wolkendecke ist dicht und grau

und endlich blüht die Sonne wieder auf.

Sie strahlt leuchtender und heller,

aber nur noch für sich.

Keine kleinen, dummen, nörgelnden Menschen mehr,

die sich pausenlos beklagen.

Denen nichts passt oder gut genug ist.

So kann es bleiben!

Eines Tages, nach einer langen, grauen Zeit auf der Erde,

flog ein kleiner Vogel hoch hinaus.

Bis zur Sonne.

Und klagte ihr sein Leid:

„Die Blumen können nicht mehr blühen, alles geht ein.

Die Tiere verkriechen sich in ihren Höhlen,

keiner möchte mehr draußen sein.

Pflanzen und Tiere brauchen dringend Deinen Sonnenschein!“

Die Sonne ließ sich nicht lange bitten,

denn sie gibt ja gerne.

Sie wollte bloß einmal gesehen und wahrgenommen werden

und das hatte der kleine Vogel getan.

Der kleine Vogel durfte von oben das Spektakel betrachten.

Die Wolkendecke brach auf und die Sonne strahlte hindurch.

Die Blumen erwachten aus ihrem Winterschlaf.

Erblühten in neuer Frische.

Die Tiere kamen aus ihren Löchern gekrochen.

Begrüßten die Sonne und sprangen herum.

Sie freuten sich, sangen und tanzten.

Zur Ehre der Sonne!

Bevor der Vogel zu seinen Freunden zurückflog,

versprach er der Sonne noch etwas:

„Jeden Morgen, wenn du wieder aufgehst und für uns strahlst,

werden wir Lieder für Dich trällern!

Wir denken an Dich und Du bist nicht alleine!“

Nur die Menschen hatten von alledem nichts bemerkt.

Für sie ist es einfach der Lauf der Natur,

rational, wissenschaftlich erklärt,

folgt nach einer grauen Regenzeit auch irgendwann wieder die Sonne…

Sie haben einfach zu viel mit sich selbst zu tun…

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