Melancholie

Melancholie – oder wie ich meine Freundin gerne bei ihrem Spitznamen nenne – Mela.
Sie verlässt mich nie. Auf sie kann ich mich verlassen. Sie ist da, wenn alle anderen mich bereits verlassen haben.
Sie hört mir geduldig zu. Geht mir nicht auf die Nerven mit ihrem positiv Gelaber. Sie stresst mich nicht damit, dass ich Pläne machen soll. Meine Zukunft planen.
Mela weiß, das überfordert mich gerade.
Sie weiß, ich kann nicht bis morgen denken. Mir keine Zukunft vorstellen. Nicht planen.
Mela spricht aus Liedern zu mir. In denen ich mich verstanden fühle.
Sie spricht aus Bildern zu mir, in denen sich meine Gefühle spiegeln.
Sie spricht aus Texten zu mir, in denen ich mich wieder finde.
“Das tut Ihnen nicht gut, sich ständig mit sowas zu befassen! Gucken Sie doch mal einen lustigen Film!”
“Aber in denen fühle ich mich nicht verstanden. Ich fühle mich nicht gesehen. Genauso wenig, wie von Ihnen!” – Ich muss nur aufpassen, dass ich das nicht laut sage, denn das würde ihnen, den Helfern, nicht gefallen…
Nur bei Mela, da muss ich mich nicht verstellen. Ich muss meine Gefühle nicht verstecken. Meine Gedanken nicht verschweigen. Nicht auf jedes Wort achten, das ich sage. Ich darf einfach sein. So wie ich bin. Mit meinem Schmerz. Mit meiner Verzweiflung. Es ist OK. Sie versucht nicht sie mir abzusprechen. Sie nicht weg zu reden. Und ich muss nicht so sehr an ihnen festhalten. Um ihre Existenzberechtigung kämpfen, in Melas Gegenwart. Sie akzeptiert sie. Sie dürfen da sein. Einfach so…
Mela erwartet nicht, dass ich gleich wieder aufstehe und funktioniere. Ich darf Zeit brauchen. Eine Weile liegen bleiben. Sie legt sich einfach zu mir und leistet mir Gesellscahft. Lässt mich nicht allein.
Der Versuch, mir die Welt schön zu reden, macht ohnehin keinen Sinn. Es ist nicht alles gut. Akzeptiert das endlich. Es geht mir nicht besser, nur weil ihr das gerne so hättet.
Je mehr ihr die Augen verschließt. Nichts davon hören wollt. Desto lauter schreit es in mir.
Je mehr ihr versucht, mich ins Positive zu zerren. Desto dunkler wird es in mir!
Es wird nichts besser. Mit dieser Art zu negieren. Die Ignoranz verstärkt meinen Schmerz. Nährt meine Verzweiflung. Warum nur wollt ihr das nicht sehen?
Wie ein kleines Kind, das sich die Augen zuhält und denkt, es wäre dadurch unsichtbar. Ihr verschließt die Augen, tabuisiert, verbietet darüber zu sprechen und denkt, dadurch würden die Probleme nicht existieren…


“Mela, Du bist unerwünscht. Du bist zu tiefgründig für die Gesellschaft! Zu sensibel für Menschen. Vermutlich bist Du deshalb so zerbrochen. Ich kann Dich gut verstehen!”

Ein Kommentar zu „Melancholie

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