Ode an mein Handy

Oh, Du Gerät, mein Alltagsbegleiter. Mein Verbindungshalter zur Außenwelt. Du erleichterst die Kommunikation zu Freunden auf weiter Distanz. Schaffst Verbindung im Alltag, Kilometerweit. Mal eben zwischendrin oder unterwegs eine Nachricht getippt. Oh, Du liebes Wundergerät. Nachrichten, Bilder, Sprachnachrichten teilen. In Null Komma nichts auf die Schnelle. Etwas nachschlagen. Recherchieren ist kein Problem. Immer und überall stehst Du mir bereit. Ein technisches Wunder bist Du. Praktisch und klein. Ein Kasten voller Möglichkeiten. Digital überall. Auf die Schnelle, immer parat, zwischendurch und Allzeitbereit. Du erleichterst mein Leben, weist mir den Weg. Du bist mein Stadtplan. Meine Uhr. Mein Notizzettel. Meine Einkaufsliste. To-Do-Liste. Wecker. Kalender. Erinnerer. Mein Nachschlagewerk. Mein Musikplayer. Meine Bibliothek. Meine Lektüre. Mein Fotoaapparat und mein Fotoalbum. Meine Cloud. Mein Textsammler. Manchmal mein Tagebuch und mein Schreibgerät.

Du bist mein Datenspeicher. Ich liebe Dich dafür!

Du hast mich abhängig gemacht. Raubst mir meine Zeit. Du bist ein Zeitfresser. Ein Datenspion. Speicherst meine Bewegungen ab. Du hintergehst mich. Willst Alles wissen und gibst meine Daten weiter. Du erschwerst persönlichen Kontakt. Nervst mit Deinem Gepiepe. Deinem Verlangen nach Aufmerksamkeit. Ständig wird nach einer Antwort von mir verlangt. Dein Brummen macht mich manchmal irre. Mitten im Gespräch funkst Du dazwischen. Du kennst keinen Respekt. Keine Privatsphäre.

Die Menschen reden kaum noch miteinander. Sie kommunizieren mit Dir. Du Zeitfresser. Du schaffst Verbindungen über große Distanzen. Und distanzierst die Menschen voneinander. Du bist oberflächlich. Eine Maschine, auch wenn DU vermutlich gerne mehr wärst. Überall sehe ich Menschen, die auf ihre Geräte starren. Oh, Du geliebtes, verhasstes Wundergerät. Du schenkst mir oberflächliche Lebensqualität. Raubst meinem Leben die Intensität. Achtsamkeit und im Augenblick zu bleiben, machst Du mir schwer. Dauernd das Bedürfnis, Neuheiten mit Freunden zu teilen. Nicht im Moment zu verweilen.

Ich sehe den Sonnenuntergang weniger mit den Augen. Genießen und verweilen machst Du mir schwer. Den Augenblick festhalten. Mit der Kamera. Das Foto per WhatsApp oder Telegram gleich verschicken. Den Moment zu teilen. Mit Freunden. Die weit weg sind. Dann auf die Reaktionen zu antworten. Mich im chatten zu verfangen. In der Zwischenzeit ist die Sonne bereits untergegangen. Ich habe ein schönes Erinnerungsfoto. An einen Moment, den ich gar nicht richtig mitbekommen habe. Doch Du hebst die Erinnerung für mich auf.

Mein Freund neben mir ist genervt. Weil Du zwischen uns stehst. Uns voneinander distanzierst. Wir haben kaum ein Wort miteinander gesprochen. Denn Du hast meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Mich in Versuchung geführt. Meinen Freund und mich auseinander gebracht. Du hast Dich gewissermaßen zwischen uns gestellt. Mich von mir und meiner Umwelt entfernt.

Du entführst die Menschen in eine virtuelle Welt. Verhinderst Gespräche. Im Bus oder in der Bahn. Weil fast jeder so ein Gerät, wie Dich in den Händen hält. Und tippt. Manchmal mit Stöpseln in den Ohren. In Dich hinein spricht. Abgetaucht in Deine Welt.

Ich erlebe es kaum noch, dass sich Fremde in Bus oder Bahn unterhalten. Dass sich Menschen auf der Straße grüßen und ein Gespräch entsteht. Dass sich Menschen kennenlernen. Aus Fremden Bekannte werden. Aus Bekannten Freunde.

Oh, Du Alltagsbegleiter. Situationen Erleichterer. Immer Erreichbarer. Verbindungsschaffer.

Ich werde mich bewusst von Dir distanzieren. Dich einfach mal zuhause lassen. Mit meinem Freund reden. In der Gegenwart bleiben. Den Moment genießen. Mir meine Lebensqualität zurück erobern. Intensiver leben!

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