Über Mich

Mein Name ist Leilani Engel. Ich bin EX-IN Genesungsbegleiterin, Erfahrungsexpertin, Künstlerin und Autorin.

Mein Leben war und ist weder gradlinig, noch einfach. Auf den sexuellen Missbrauch und das Mobbing reagierte ich mit tiefer Verzweiflung und Resignation. Ich hasste mich selber und wollte nicht mehr weiter leben. Ich zog mich mehr und mehr zurück und verstummte größtenteils. Warum jemandem etwas versuchen zu erklären, wenn es ohnehin niemanden interessiert und alle weghören und wegsehen?

Ich flüchtete mich in Selbsthass, Selbstverletzungen, Depressionen und nicht zuletzt in Suizidversuche. Mir wurde zunehmend alles gleichgültig. Ob ich nun lebte oder nicht, was macht das schon für einen Unterschied? Wofür weiterkämpfen? Warum darf ich nicht einfach gehen?

Mit 17 Jahren landete ich nach einem Suizidversuch zum ersten Mal in einer Psychiatrie. Nachdem ich körperlich zusammengebrochen war und verstummte, teilte mir die Psychiaterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit, dass es ihnen zu riskant mit mir sei und sie mich auf eine geschlossene Station Station in der Erwachsenenpsychiatrie verlegen würden. Mein erster Eindruck dort waren verschlossene Türen, Schleusen, eingesperrt sein. Ich war total verängstigt und bekam kaum ein Wort heraus. Die Krankenschwester nannte mich nur „Mädel!“ „Mädel, wir wollen dir doch bloß helfen!“, „Mädel, rede mit uns!“ Ein Mann, der an ein Bett gekettet vor dem Dienstzimmer auf dem Flur lag verteidigte mich und meinte zu der Schwester ich sei eine junge Frau und sie sollte mich mit etwas mehr Respekt behandeln. Als nächstes kamen ein paar Männer, verpassten ihm eine Spritze zum ruhigstellen und weitere Fesseln. Daraufhin war ich so eingeschüchtert, dass ich gar nichts mehr sagte.

Ich musste unterschreiben, dass ich freiwillig übers Wochenende zur Überwachung dortbleiben würde. Daraus wurden 10 Wochen. Ich weigerte mich zurück in die Jugendwohngruppe zu gehen und nach einem „Zwangsurlaub“ verstand auch der Oberarzt, dass es keinen Sinn hätte mich dorthin zurück zu schicken. Schließlich kam ich in eine Pflegestelle.

Meine Pflegemutter war mit mir völlig überfordert. Also mit meiner Verzweiflung, Selbstverletzungen und Suizidalität. Ich war es leid an allem Schuld zu sein, da bevor ich kam, ihr Leben in bester Ordnung gewesen war und untschied mit 18 lieber alleine zu leben.

Ich lebte also in einer 1-Zimmer Wohnung, bezog Hartz IV und ging in die 12te Klasse. Zu der Zeit hatte ich eine Lehrerin und meine Therapeutin, die mich unterstützten…

Es folgten weitere Psychiatrieaufenthalte, weshalb ich auch die Schule abbrach. Abgesehen davon, dass ich keine Ahnung hatte, wofür ich mein Abitur fertig machen sollte, da ich keinerlei Erwartungen oder Pläne fürs Leben hatte, fühlte ich mich mit allem Maßlos überfordert.

Mit 19 Jahren wurde ich dann offiziell Erwerbsunfähig geschrieben und musste Rente beantragen. Zu viele Krisen. Zu viele Klinikaufenthalte. Zu viele Suizidversuche.

Die nächsten Jahre waren geprägt von Einsamkeit und Verzweiflung. Ich kämpfte gegen mich, gegen die Ärzte und die Welt. Ich fand es zum Kotzen, dass die Welt ist, wie sie ist. Resignierte bald bei meinen Versuchen den Ärzten erklären zu wollen, was mit mir los ist und wehrte mich gegen ihre Machtdemonstrationen und Zwangsmaßnahmen. Ich lernte erneut, dass meine Meinung niemanden interessiert. Dass ich als Person nichts Wert bin. Keiner Bock hat mir überhaupt nur zuzuhören. Dass ich weggesperrt gehöre und ziemlich schnell entmündigt werde, wenn ich nicht das tue, wo sie der Meinung sind, dass es das Beste für mich ist.

Ihre Argumente, warum ich mich nicht umbringen dürfe waren:

„Sie sind hübsch! Sie sind jung! Sie sind intelligent!“

Dummerweise machte mich das auch nicht glücklicher und verstanden fühlte ich mich auch keineswegs.

Nach zwei Jahren etwa verstanden die ersten Pfleger, dass es sinnvoller ist mit mir zu reden, als über meinen Kopf hinweg Anordnungen zu treffen. Dass es mehr bringt mir zu vertrauen und an mein Gewissen zu appellieren anstatt mich rund um die Uhr zu überwachen.

Dass ihre Macht und Kontrolle alles andere als hilfreich waren und lediglich dazu führten, dass ich umso mehr beweisen musste, dass ich mir trotz aller Maßnahmen dennoch etwas antun konnte. Wir führten lange Zeit Machtspiele und meine Handlungen und Suizidversuche wurden immer drastischer.

Eine Oberärztin meinte einmal: „Ich wäre jemand, dem ganze Kliniken icht mehr helfen könnten.“

Ich hatte nichts mehr zu geben und nichts mehr zu verlieren. Alles, was mir einmal wichtig war hatte ich bereits verloren. Ich fühlte mich weit näher am Tod als am Leben. Verbrachte mehr Zeit in Psychiatrien und Notaufnahmen als zuhause. Die Ärzte waren mit mir überfordert und schrien mich an. Sie waren hilflos, weil sie mir nicht wirklich helfen konnten. Sie konnten mir nicht einfach eine Portion Lebensfreude einflößen. Also versuchten sie mich mit Medikamenten und Überwachung soweit außer Gefecht zu setzen, dass ich mir nichts mehr antun konnte und irgendwie überleben würde. Es machte mein Leiden nicht besser. Es verstärkte eher meine Verzweiflung und Gleichgültigkeit gegenüber Menschen und dem Leben. Aber die Ärzte schafften es jedes mal mich doch wieder zurück zu holen und so habe ich überlebt.

Ob ich heute froh darüber bin? Ich weiß es nicht. Mein Leben ist erträglicher geworden und ich versuche das Beste daraus zu machen. Manchmal ist es sogar schön…

Ich habe Freunde, die mich so annehmen, wie ich bin. Trotz all meiner Narben. Die mich unterstützen und schätzen, trotz meiner Macken.

Ich habe Menschen gefunden, die mir zuhören. Die es interessiert, was ich zu sagen habe. Menschen, die mich fördern und unterstützen. Die mich ermutigen meinen Weg weiter zu gehen auch wenn es nicht allen passt, was ich tue. Menschen, die mir die Möglichkeit geben mich auszuprobieren und zu entfalten.

„Man wächst mit seinen Aufgaben!“, und Aufgaben schaffe ich mir immer mehr.

Offiziell bin ich immer noch Erwerbsunfähig geschrieben. Psychisch krank. Lebe von Grundsicherung und habe auch heute nach wie vor immer wieder Krisen.

Aber ich habe gelernt damit besser umzugehen. Ich engagiere mich in verschiedensten Bereichen ehrenamtlich. Mittlerweile halte ich auch Vorträge und erzähle Öffentlich meine Geschichte. Die Arbeit mit Pferden im therapeutischen Reiten wo ich ehrenamtlich arbeite war für mich die beste Therapie, die ich machen konnte.

Ein Pferd hat mir beigebracht, was Vertrauen ist!

Die EX-IN Ausbildung hat mir sehr geholfen alles aus einer anderen Richtung zu betrachten. Meine Krisen und Erfahrungen als Ressource und Qualifikation zu sehen und zu nutzen.

So bin ich in die Selbsthilfe gekommen, wo ich heute sehr aktiv bin. Als Gruppenleiterin oder im Internet. Auch im privaten unterstütze ich vor allem jüngere Menschen, die ähnliche Geschichten und Schwierigkeiten haben, wie ich.

Ich nutze das Malen und Schreiben um meine Gefühle und Erinnerungen zu verarbeiten und um mich anderen Menschen mitzuteilen. Ihnen einen Einblick in meine Welt zu gewähren und um anderen Hoffnung zu machen. Um ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind und dass es besser werden kann. Auch wenn es sich oft nicht so anfühlt!

Ich habe in den letzten Jahren viel gelernt. Über mich und die Welt. Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass die Welt ist, wie sie ist und ich sie nicht einfach ändern kann. Dass ich meine Vergangenheit und mein Leben nicht rückgängig machen oder verändern kann. Ich habe jedoch gelernt, wie ich damit umgehen kann und versuche das Beste daraus zu machen. Ich kann die Welt im großen und ganzen nicht wesentlich verändern. Aber ich kann das Leben von einzelnen Menschen zum besseren wandeln und ihnen Unterstützung anbieten!

Ich habe gelernt, dass es immer irgendwie weitergeht. Auch wenn ich oft nicht wusste, wie…

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